Harry Braun

Harry BraunBereits vor meiner ersten Brasilienreise im Jahre 1984 hatte ich einen besonderen Bezug nach Brasilien. Ganz speziell zu dem brasilianischen Fußball, der mich bereits seit 1982 in seinen Bann gezogen hat. Die faszinierende Nationalmannschaft Brasiliens bei der WM 82 in Spanien bereitete mir sehr große Freude mit Ihren künstlerischen Fähigkeiten und Ihrem tollen Offensivfussball der Ihnen leider im entscheidenden Spiel gegen Italien zum Verhängnis wurde. Die Spieler um den überragenden Spielgestalter Zico waren für mich eines der besten Teams dass ich je gesehen habe. (Auch bis heute noch)

Die Neugier nach diesem Land wurde dann immer größer und 1984 erfüllte ich mir dann den ersten Traum nach Brasilien zu fliegen. Beim ersten Flug war ich in guter Begleitung von meinem 1.FC Kölle-Freund Gustl Schneider aus Insheim, der schon des öfteren in Recife verweilte und sich dort auch sehr gut auskannte. Er hatte immer eine größere Gruppe im Anhang mit dabei.

Mir gefiel der erste 3-wöchige Aufenthalt in Südamerika dermaßen gut dass ich ein Jahr später wieder im Flieger nach Brasilien saß. Vom 10. Februar bis zum 24. März 1989 erfüllte ich mir dann meinen größten Wunsch: Eine 6-wöchige Brasilien-Rundreise führte von Recife über Salvador da Bahia nach Rio de Janeiro zu meinem ersten Besuch in der Metropole am Zuckerhut. Meine Begeisterung für diese Stadt war schon beim Landeanflug auf den nationalen Flughafen Santos Dumont unbeschreiblich schön und davon konnte ich mich auch bis heute nicht mehr erholen.Der Rundtrip ging weiter über Florianopolis (Blumenau) an die Wasserfälle von Foz de Iguazu.
Danach nach Manaus im Amazonasgebiet und von dort über Natal wieder zurück nach Recife. Im Verlaufe der vielen Brasilienreisen erlebte ich nicht nur die schönen Seiten dieses faszinierenden Landes sonder bekam auch viele Schattenseiten wie zum Beispiel das Lebern der vielen Kinder auf der Straße hautnah mit.

Eines Tages wuchs dann bei mir die Idee in Deutschland eine Musikveranstaltung auf die Beine zu stellen deren kompletter Reinerlös einem Kinderprojekt in Brasilien zuguten kommen sollte.

Die Idee war also geboren nur wusste ich nicht welches Projekt ich in Brasilien gerne unterstützen möchte. Dann spielte der Zufall eine große Rolle als ich im Sommer 1994 das „Akuelle Sportstudio“sah. Stargast des Abends war der für den FC Bayern München spielende brasilianische Nationalspieler Jorginho. Kurz zuvor wurde er mit der Selecao Fußball-Weltmeister in den USA. Außer seinem sportlichen Auftraten berichtete Jorginho damals auch über ein Straßenkinderprojekt eines Freundes in Rio de Janeiro dass er schon länger finanziell unterstütze. Von seiner Weltmeisterprämie hatte er der Kinderhilfsorganisation CCDIA ein Bürogebäude im Stadtteil Niteroi gekauft welches auch heute noch Sitz der CCDIA ist.

Dass war für mich genau der springende Punkt auf den ich gewartet hatte. Ich schrieb Jorginho über den FC Bayern München an und 3 Tage später rief mich Jorginho zurück und erzählte mir von dem Projekt in Rio de Janeiro. Ich war so begeistert und hatte sofortiges Vertrauen in Jorginho bekommen, dass ich Ihm Versprach den Erlös meines ersten Benefizkonzertes am 5. November 1994 für das Kinderhilfsprojkt CCDIA zu spenden. Es kamen 21.000,- DM zusammen und Jorginho lud mich und einige Freunde nach München zur offiziellen Scheckübergabe im Olympiastadion vor dem Bundesligaspiel gegen Bayer Leverkusen ein. Nach dem Spiel bekam ich von Jorginho direkt  eine Einladung nach Rio zu kommen, der ich dann natürlich auch 4 Wochen später gefolgt bin um mir direkt vor Ort ein Bild über die Arbeit mit den Straßenkindern zu machen. Ich war so begeistert und erleichtert dass ich mit Jorginho einen echten Freund und Kämpfer für die Probleme seines Landes gewonnen hatte, dass ich mich entschloss ein weiteres Konzert zu organisieren um einigen Kindern in Rio de Janeiro ein besseres leben zu ermöglichen.

Und heute schreiben wir schon das Jahr 2014 und es sind mittlerweile 24 Konzertveranstaltungen in Gossersweiler, Schwanheim und Annweiler zugunsten brasilianischer Kinder über die Bühne gegangen.
In all diesen Jahren hatte ich auch das Vergnügen sehr viele tolle und hilfsbereite Menschen kennen zu lernen. Sei es die vielen freiwilligen Helfer die immer am Start waren wenn man sie brauchte, oder auch die vielen Musikbands die sich immer wieder ohne Gage in den Dienst der guten Sache stellten. Eine Sache ist mir in all den Jahren ganz besonders an Herz gewachsen: Und zwar war es das dritte ROCK FOR RIO-Konzert am 8. und 9. November 1996 in Schwanheim als die damalige Kultband HOBO mit Ihrem Frontmann und Geigervirtuosen Ulli Degenhardt in der Gemeindehalle auftreten sollten. Kurz vor diesem Konzertabend erhielt Ulli Degenhardt die niederschmetternde Nachricht seiner Krebskrankheit der er dann auch leider im darauf folgenden Jahr am 18. Januar erliegen sollte. Es war damals ein Schock für die ganze HOBO-Fangemeinde und gleichzeitig auch für mich als Konzertveranstalter.
Doch größtenteils überwiegten sehr viele positive Erlebnisse die 15-Jährige ROCK FOR RIO -Zeitreise. Waren es in Deutschland die unvergesslichen Open-Air-Veranstaltungen auf dem Rathausplatz in Annweiler, mit prominentem Besuch der beiden Fußballweltmeister Jorginho und Bebeto zum 10-Jährigen Jubiläum 2004 so war es in Brasilien die immer wieder steigenden Anzahl der Kinder deren wir unter anderem auch mit den Spenden von ROCK FOR RIO helfen konnten.

Größter Moment war dabei natürlich die Eröffnung unserer großen Schule BOLA PRA FRENTE in Guadaloupe im Jahre 2000 wo mittlerweile 850 Kinder ein und aus gehen.

Schöne Nebenaspekte meiner vielen Rio-Reisen waren natürlich auch die Bekanntschaften vieler prominenter Stilllegenden Brasiliens. Unter Anderem lernte ich Spieler wie die komplette Weltmeistermannschaft von 1994 mit Romario, Leonardo, Taffarel, Paulo Sergio und den heutigen Nationaltrainer Brasiliens Carlos Dunga näher kennen. Auch mit großen Spielern wie Pelé, Ronaldinho oder Kaka konnte ich mich schon bei Besuchen meines brasilianischen Lieblingsvereins CR Flamengo Rio im legendären Maracána-Stadion hinter den Kulissen treffen.

Als große Bestätigung unserer Arbeit mit den Kindern in Brasilien sehe ich natürlich auch die Ehrung von höchster deutscher Ebene im Januar 2009 als zum offiziellen Neujahrsempfang unseres Bundespräsidenten Horst Köhler auf Schloss Bellevue in Berlin eingeladen wurde.

Welch großes Ansehen unser Projekt in Rio mittlerweile genießt, zeigt die Tatsache, dass kein Geringerer als „Kaiser“ Franz Beckenbauer mit der LAUREUS-Stiftung im vergangenen Jahr dem Institut einen Besuch abstattete und einen Mercedes-Sprinter voll bepackt mit ADIDAS-Kinder-Fußballschuhen an Jorginho übergab. Kürzlich im Januar folgte der nächste Höhepunkt für „Bola pra frente“. Zu Besuch weilte eine FIFA-Delegation mit Generalsekretär Jérome Valcke sowie den beiden brasilianischen Weltmeistern Bebeto und Cafu. Das Institut „Bola pra frente“ wurde hierbei in die Liste der sozialen Projekte aufgenommen, die aus dem FIFA-Programm „Football for Hope“ eine größere finanzielle Zuwendung erhalten werden. Diese Auszeichnungen bestätigen, dass ROCK FOR RIO mit der jahrelangen Unterstützung unseres Freundes Jorginho und dessen wertvoller Arbeit beim Institut „Bola pra frente“ zu hundert Prozent aufs richtige Hilfsprojekt gesetzt hat. Das wollen wir am 26. und 27. Juli 2014 kräftig feiern:

20. Fußballweltmeisterschaft in Brasilien und
20 Jähriges Jubiläum von ROCK FOR RIO